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Deutsche Textexpansion.

Deutscher Text ist deutlich länger als die türkischen und englischen Entsprechungen desselben Inhalts, und im mehrsprachigen Design ist das eine zu messende Beschränkung.

Das ist das konkreteste technische Problem eines mehrsprachigen Designs: Derselbe Satz beansprucht in jeder Sprache anderen Raum. Das Deutsche erzeugt wegen seiner Kompositastruktur besonders lange Wörter, und diese Wörter lassen sich am Zeilenende nicht trennen.

Das Problem zeigt sich im Design an drei Stellen: Überschriften laufen auf mehr Zeilen als erwartet, Schaltflächenbeschriftungen passen nicht in ihre Kästen, und Tabellenspalten laufen über. Keines der drei ist in einem in einer Sprache getesteten Design sichtbar.

Ein gemessener Ausgleich

Auf dieser Website wurde das Problem messend behandelt. Die in den Überschriften verwendete Schrift hat eine Breitenachse — die Buchstaben lassen sich verschmälern, ohne das Design zu brechen. Für deutsche Überschriften wird diese Achse auf einen schmaleren Wert gestellt.

Der Wert wurde nicht geraten: Die türkischen und deutschen Überschriften wurden am selben Umbruch gerendert und ihre Zeilenzahlen verglichen, und genommen wurde der höchste Breitenwert, bei dem die deutsche Überschrift bei derselben Zeilenzahl blieb. Das Ergebnis steht als Konstante in der Token-Datei.

Die Prüfsuite misst das eigens: Die deutsche Startseite wird bei 1440 Pixel Breite geöffnet, der Breitenwert der Hero-Überschrift gelesen und bestätigt, dass der erwartete Ausgleich angewandt ist. Verrutscht der Wert eines Tages, schlägt der Test rot.

Deutscher Text ist lang; das nicht zu messen heißt hinzunehmen, dass das Design auf Deutsch bricht.

In Designs ohne Breitenachse

Wird keine variable Schrift verwendet, löst man dasselbe Problem auf anderen Wegen, und jeder hat einen Preis.

  1. Schriftgrad verkleinern — die Überschriftgröße wird pro Sprache gesenkt. Am einfachsten, schwächt aber die visuelle Hierarchie.
  2. Zeilenzahl freigeben — die Überschrift läuft auf drei statt zwei Zeilen. Das Layout muss darauf vorbereitet sein.
  3. Text kürzen — die Übersetzung wird kürzer geschrieben. Es besteht das Risiko des Bedeutungsverlusts.
  4. Worttrennung — weiche Trennzeichen für lange Komposita. Sie müssen von Hand gesetzt werden.
  5. Kasten vergrößern — für Schaltflächen und Etiketten; das Layout muss flexibel sein.

Der vierte Punkt nützt dem Deutschen besonders: In langen Komposita lässt sich eine Trennstelle markieren, und der Browser trennt bei Bedarf dort. Ein langes Wort ohne Trennstelle läuft aus seinem Kasten.

Der Weg des Testens

Expansionsprobleme werden erst mit echtem Text sichtbar. Ein mit Platzhaltertext gemachtes Design bricht, wenn die Übersetzung kommt — und der Bruch wird meist nach der Veröffentlichung bemerkt.

Die praktische Methode: in der Designphase den echten Text der längsten Sprache verwenden. Gibt es Deutsch, wird mit Deutsch getestet; passt es, passen die anderen sicher. Das sollte am schmalsten Umbruch und mit dem längsten Inhalt geschehen.

Auf dieser Website misst die Prüfsuite das Textabschneiden in drei Sprachen getrennt: Dass in keiner Sprache irgendein Text aus seinem Kasten läuft oder beschnitten wird, wird bei jedem Lauf geprüft. Ein Layout, in einer Sprache getestet und für die anderen angenommen, wird nicht akzeptiert.

Welche Sprachen wie stark expandieren

Die Expansion ist nicht nur dem Deutschen eigen, und beim Entwerfen zu wissen, welche Sprachen sich in welche Richtung verhalten, erleichtert die Raumplanung. Die allgemeinen Tendenzen sind diese.

  1. Deutsch — verlängert sich deutlich; Komposita lassen sich nicht trennen und bleiben ein Stück.
  2. Französisch und Spanisch — verlängern sich mittelstark; der Satzbau ist umständlicher.
  3. Russisch — verlängert sich und verlangt zudem ein anderes Alphabet.
  4. Türkisch — nah am Englischen; Suffixe verlängern, aber es gibt kein Kompositaproblem.
  5. Chinesisch und Japanisch — VERKÜRZEN sich deutlich; aber die Zeichenhöhe ist anders, und der Zeilenabstand braucht Anpassung.
  6. Arabisch — mittel; die eigentliche Sache ist nicht die Länge, sondern die RICHTUNG.

Der fünfte Punkt erzeugt ein Problem in der Gegenrichtung, und ein wenig bekanntes: Verkürzter Text wirkt in einem für langen Text entworfenen Kasten spärlich und unausgewogen. Die Schrumpfung ist ein Designproblem so sehr wie die Expansion.

Der praktische Ansatz: das Layout mit der längsten und der kürzesten Sprache zugleich testen. Alle Sprachen dazwischen bleiben innerhalb dieser zwei Enden und verlangen keine eigene Kontrolle.

Auf dieser Website sind alle drei Sprachen lateinbasiert und der Längenbereich ist schmal; die längste ist Deutsch, die kürzeste Englisch. Die Prüfsuite misst das Textabschneiden in allen dreien getrennt — in einer Sprache zu testen und die anderen anzunehmen wird nicht akzeptiert.

Was in der Designphase zu tun ist

Die billigste Lösung des Expansionsproblems wird in der Designphase getroffen, und ihre Kosten sind null: das Layout nicht auf feste Textlänge bauen, sondern so, dass es Dehnung erlaubt.

  1. Keine Kästen fester Höhe verwenden — verlängert sich der Text, läuft er über.
  2. Keine einzelne Zeile annehmen — eine Überschrift kann in zwei Sprachen zwei, in der dritten drei Zeilen haben.
  3. Nicht nebeneinander ausrichten — zwei Spalten geraten in verschiedenen Sprachen verschieden hoch.
  4. Keine Abkürzungen verwenden — Abkürzungen wechseln mit der Sprache und lassen sich nicht übersetzen.
  5. Mit der längsten Sprache testen — passt sie, passen die anderen sicher.
  6. Weiche Trennzeichen setzen — für lange Komposita.

Der zweite Punkt ist der am häufigsten gebrochene: Passt eine Überschrift im Türkischen auf zwei Zeilen und wird das Layout auf zwei Zeilen gebaut, läuft die deutsche dritte Zeile in den Abschnitt darunter, und die Ausrichtung bricht. Das Layout muss von der Zeilenzahl unabhängig sein.

Auf dieser Website sind die Bühnenüberschriften auf flexible Höhe gebaut, und für Deutsch wird die Breitenachse verschmälert. Beide Maßnahmen zusammen halten dieselbe Überschrift in allen drei Sprachen bei derselben Zeilenzahl — und die Prüfsuite misst das.

Ein Prinzip zum Schluss: Die Textlänge ist keine Inhaltssache, sondern eine Designbeschränkung. Den Übersetzer um „schreiben Sie kürzer“ zu bitten ist manchmal richtig, opfert aber meist die Bedeutung. Dass das Layout sich dehnt, ist immer die bessere Lösung, als dass der Text sich quetscht.

Ein letzter Testvorschlag: Es gibt einen praktischen Weg, in der Designphase an die längste Übersetzung zu kommen — den Quelltext maschinell in die Zielsprache übersetzen und die Länge messen. Die Qualität mag nicht genügen, aber die LÄNGE fällt realistisch aus, und für den Layouttest reicht das.

Das macht es möglich, das Layout zu testen, bevor die echte Übersetzung kommt — und in der Designphase gefangene Layoutprobleme sind fast umsonst zu beheben.

QUELLEN