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Mehrsprachige Barrierefreiheit.

Auf einer mehrsprachigen Website müssen jede Seite und jeder Sprachwechsel angegeben werden; sonst spricht der Screenreader den Text in der falschen Sprache.

Screenreader verwenden beim Vorlesen eine Sprachmaschine, und sie wählen diese Maschine nach der Sprachangabe der Seite. Fehlt die Angabe oder ist sie falsch, wird ein türkischer Text mit englischer Stimmmaschine gelesen — und das Ergebnis ist für den Hörer unverständlich.

Das ist der billigste und am häufigsten übersprungene Barrierefreiheitsposten mehrsprachiger Websites: eine einzeilige Angabe, große Wirkung. Die WCAG verlangt sie auf Stufe A — also eine Anforderung der Basisstufe.

Zwei Ebenen der Angabe

Die Angabe ist an zwei Orten nötig, und die zwei lösen Verschiedenes.

Die erste ist die Seitenebene: Das Wurzelelement gibt die Hauptsprache der Seite an. Das bestimmt, mit welcher Stimmmaschine die ganze Seite gelesen wird, und es muss auf jeder Seite stehen.

Die zweite ist die Fragmentebene: Abschnitte in anderer Sprache innerhalb der Seite werden eigens markiert. Ein englisches Zitat in einem türkischen Text, ein Markenname oder ein Fachbegriff — unmarkiert wird er mit der türkischen Stimmmaschine gelesen und bricht.

Die zweite Ebene ist auf mehrsprachigen Websites besonders oft nötig: Die Etiketten „Deutsch“ und „English“ im Sprachwähler müssen in ihrer eigenen Sprache stehen und ihre eigene Sprache angegeben haben. Sonst versucht die türkische Maschine, sie türkisch zu lesen.

  1. Die Seitensprache am Wurzelelement — auf jeder Seite, ohne Ausnahme.
  2. Die Etiketten des Sprachwählers — jedes in der eigenen Sprache und mit angegebener Sprache.
  3. Fremdsprachige Zitate — unmarkiert werden sie falsch ausgesprochen.
  4. Marken- und Produktnamen — meist unmarkiert; ihre Aussprache ist ohnehin vertraut.
  5. Codefragmente — als Code zu markieren, nicht als Sprache.

Das Format des Sprachetiketts

Der verwendete Wert ist ein standardisiertes Sprachetikett und aus derselben Familie wie das in hreflang, aber nicht ganz dasselbe: Hier ist der Regionscode meist unnötig. Ist die Seite türkisch, genügt der zweibuchstabige Sprachcode; gibt es zwischen Türkei-Türkisch und einem anderen Türkisch keinen Ausspracheunterschied, bringt die Regionsangabe nichts.

Der Regionscode ist nur sinnvoll, wenn die Aussprache wirklich variiert — wie bei der amerikanischen und britischen Variante des Englischen. Darüber hinaus ist Schlichtheit sicherer.

Die Textrichtung

Von rechts nach links geschriebene Sprachen — Arabisch, Hebräisch, Persisch — verlangen eine zusätzliche Angabe: die Textrichtung. Ohne sie bricht das Layout und wird unlesbar.

Die Richtungsangabe betrifft nicht nur den Text, sondern auch das Layout: Ränder, Ausrichtungen und Pfeilrichtungen werden gespiegelt. Modernes CSS bietet dafür logische Eigenschaften — werden Anfang und Ende statt links und rechts verwendet, dreht sich das Layout mit der Richtung von selbst.

Auf dieser Website war die Richtungsschicht noch nicht nötig, da alle drei Sprachen von links nach rechts laufen. Aber es werden logische Eigenschaften verwendet — wird also eine Rechts-nach-links-Sprache ergänzt, funktioniert das Layout weiter. Eine billige Vorsorge.

Die Prüfung

Die fehlende Sprachangabe kann von automatischen Werkzeugen gefangen werden und ist einer der leichtesten Posten der Barrierefreiheitsprüfung. Die Lücken der Fragmentebene aber werden nicht gefangen — für sie muss man hören.

  1. Steht die Sprache am Wurzelelement — auf jeder Seite; automatische Werkzeuge fangen es.
  2. Ist der Sprachcode richtig — ein falscher Code ist schlimmer als ein fehlender.
  3. Sind die Etiketten des Sprachwählers markiert — jedes in der eigenen Sprache mit angegebener Sprache.
  4. Sind fremde Zitate markiert — ohne Hören nicht zu erkennen.
  5. Wurde mit dem Screenreader gehört — jede Sprachversion einzeln.
  6. Braucht es eine Richtungsangabe — bei einer Rechts-nach-links-Sprache Pflicht.

Der fünfte Punkt ist der am häufigsten übersprungene und lehrreichste: Eine deutsche Seite mit deutscher Stimmmaschine zu hören ist die einzige Methode, die zeigt, ob die Angabe wirklich funktioniert. Der Code kann richtig aussehen und trotzdem die falsche Maschine gewählt werden.

Auf dieser Website werden alle drei Sprachversionen einzeln geprüft, und die Prüfsuite misst die Sprachangaben auf jeder Route. Die Etiketten des Sprachwählers stehen in ihrer eigenen Sprache, und ihre Berührungsziele werden am mobilen Umbruch eigens gemessen.

Und eine Vorsorge: Das Layout ist auf logischen Eigenschaften gebaut — Anfang und Ende statt links und rechts. Wird eine Rechts-nach-links-Sprache ergänzt, dreht sich das Layout mit der Richtung von selbst — heute nicht nötig, aber von Anfang an gemacht, weil die Kosten null sind.

Übersetzungsqualität ist eine Barrierefreiheitssache

Sie gelten meist als getrennte Themen, aber sie schneiden sich: Ein schlecht übersetzter Text ist für einen Nutzer mit kognitiven Unterschieden unverhältnismäßig schwer. Komplexer Satzbau, inkonsistente Terminologie und die aus direkter Übersetzung geborenen schiefen Wendungen bremsen alle, halten aber manche Nutzer ganz auf.

Das Verständlichkeitsprinzip der WCAG behandelt das direkt: Text muss lesbar und verständlich sein. Verliert die Übersetzung eines in einer Sprache flüssigen Textes diese Eigenschaft, fällt diese Sprachversion auch in der Barrierefreiheit zurück.

Die praktische Folge: Die Investition in Übersetzungsqualität ist zugleich eine Barrierefreiheitsinvestition. Kurze Sätze, konsistente Begriffe und schlichte Struktur — alle drei sind Maße der Übersetzungsqualität wie der Lesbarkeit.

Und eine Messnotiz: Lesbarkeit wird pro Sprache verschieden berechnet. Ein für Türkisch entwickeltes Maß lässt sich nicht auf einen deutschen Text anwenden. Jede Sprache sollte mit dem eigenen Maß bewertet werden — oder, der einfachere und verlässlichere Weg, von jemandem gelesen werden, der diese Sprache spricht.

Ein Maß zum Schluss: Die meisten dieser Posten kosten eine einzeilige Angabe, und ihre Wirkung ist der Unterschied zwischen dem völligen Nichtverstehen und dem Verstehen der Seite durch eine Nutzergruppe. Unter den Barrierefreiheitsposten hat er eine der höchsten Renditen — und auf mehrsprachigen Websites wird er am häufigsten übersprungen.

Eine letzte Umfangsnotiz: Die Sprachangabe betrifft nicht allein den Screenreader. Das Übersetzungsangebot des Browsers, seine Rechtschreibprüfung und seine typografischen Regeln — alle drei speisen sich aus dieser Angabe. Eine falsche Angabe kann sogar dazu führen, dass Anführungszeichen in der falschen Form gezeigt werden.

Eine einzeilige Angabe lässt also vier getrennte Systeme zugleich richtig arbeiten. Die Barrierefreiheitsbegründung genügt allein; die anderen drei sind Zugabe.

QUELLEN