Was ist hreflang.
hreflang ist die Auszeichnung, die Suchmaschinen die Sprach- und Regionsversionen einer Seite mitteilt und bestimmt, welchem Nutzer welche Version gezeigt wird.
Auf einer mehrsprachigen Website existiert derselbe Inhalt in mehreren Versionen, und die Suchmaschine muss zwei Dinge wissen: Sind das Übersetzungen voneinander, und welchem Nutzer soll welche gezeigt werden? hreflang beantwortet genau diese zwei Fragen.
Ohne die Angabe folgen zwei Konsequenzen. Erstens können die Versionen für Kopien voneinander gehalten werden, und die Maschine entscheidet selbst, welche sie indexiert. Zweitens kann einem auf Deutsch suchenden Nutzer die türkische Seite gezeigt werden — der Inhalt existiert, erreicht aber nicht die richtige Person.
Drei Regeln
Dass hreflang funktioniert, hängt an drei Regeln, und alle drei werden oft verletzt. Fehlt eine, gilt der Satz als ungültig.
- Gegenseitigkeit — gibt A B an, muss B auch A angeben. Eine einseitige Angabe ist ungültig.
- Selbsteinschluss — jede Seite muss auch die eigene Sprache angeben. Das wird oft übersprungen und bricht den Satz.
- Absolute Adressen — die Verknüpfungen müssen volle Adressen sein; relative Pfade werden nicht akzeptiert.
Die zweite Regel überrascht am meisten: Dass eine Seite sich selbst angibt, wirkt überflüssig, ist aber Teil der Satzdefinition. Auf einer dreisprachigen Website muss jede Seite drei Verknüpfungen tragen — sich selbst eingeschlossen.
Auf dieser Website trägt jede Seite vier Verknüpfungen: drei Sprachen und einen Standard. Die Prüfsuite misst bei jedem Lauf, dass der Satz vollständig und wechselseitig ist.
Sprachcode, Regionscode
Der in der Angabe verwendete Wert kann ein Sprachcode oder ein Sprache-Region-Paar sein, und die zwei zielen auf Verschiedenes.
Der Sprachcode allein — etwa der zweibuchstabige Code für Türkisch — zielt auf ALLE Sprecher dieser Sprache: Türkischsprechende in der Türkei, in Deutschland und auf Zypern sehen dieselbe Seite. Gibt es keinen nach Region abweichenden Inhalt, ist das die richtige Wahl.
Das Sprache-Region-Paar zielt nur auf die Sprecher dieser Sprache in einem bestimmten Land. Die Unterscheidung ist nur bei wirklich abweichendem Inhalt sinnvoll: andere Währung, anderer Bestand, anderer Rechtstext. Denselben Inhalt unter zwei Regionscodes doppelt anzugeben erzeugt unnötige Komplexität.
- Nur Sprache — wenn kein Inhalt nach Region abweicht. Die häufigste und einfachste Wahl.
- Sprache-Region — wenn Währung, Bestand oder Rechtstext wirklich abweichen.
- Ein Regionscode kann nicht allein stehen — ein Sprachcode ist immer nötig.
- Die Code-Standards — ISO 639-1 für die Sprache, ISO 3166-1 für die Region. Erfundene Codes funktionieren nicht.
Der letzte Punkt ist eine Fehlerquelle: Der Ländercode für Großbritannien etwa wird intuitiv leicht falsch geraten, und ein falscher Code macht den ganzen Satz ungültig. Codes werden nicht geraten, sondern der Liste entnommen.
Wohin es geschrieben wird
Die Angabe kann an einem von drei Orten leben, und die drei sind gleichwertig; die Wahl folgt praktischen Gründen.
Sie in den Kopf der Seite zu schreiben ist der häufigste Weg und der am leichtesten prüfbare. Beim Blick in den Quelltext sind die Verknüpfungen sichtbar, und ein Fehler fällt sofort auf.
Sie in die Sitemap zu schreiben ist der zweite Weg, auf großen Websites bevorzugt: Die Verknüpfungen sammeln sich in einer Datei, und keiner Seite muss zusätzliche Auszeichnung hinzugefügt werden. Diese Website tut BEIDES — auf Seitenebene der eigene Verknüpfungssatz jeder Version, in der Sitemap die Wiederholung derselben Sätze. Der Satz variiert von Seite zu Seite: Eine in drei Sprachen existierende Seite trägt vier Verknüpfungen, eine nur-türkische zwei.
Der dritte Weg ist der HTTP-Header, nötig nur für Nicht-HTML-Ressourcen — etwa mehrsprachige PDF-Dokumente.
Der Satz muss vollständig sein oder gar nicht existieren — ein halber Aufbau nützt weniger als keiner.
Wie geprüft wird
hreflang ist eine lautlos brechende Schicht: keine Fehlermeldung, die Seite wirkt normal, und nur in den Suchergebnissen beginnt die falsche Sprachversion zu erscheinen. Der Aufbau kann deshalb nicht einmal gemacht und liegen gelassen werden; er braucht Prüfung und vorzugsweise die Bindung an einen Test.
- In den Quelltext schauen — passt die Verknüpfungszahl zur Sprachzahl, sich selbst eingeschlossen?
- Die Gegenseitigkeit prüfen — von jeder Seite zu den anderen gehen und die Rückverknüpfung suchen.
- Gibt es einen Konflikt mit dem Canonical — gibt jede Sprachversion das Canonical auf sich selbst?
- Sind die Codes standardkonform — gegen die Liste verifiziert, nicht geraten.
- Sind die Adressen absolut — relative Pfade werden nicht akzeptiert.
- Gibt es einen Fehlerbericht in der Search Console — fehlende Rückverknüpfungen werden dort gelistet.
Der letzte Punkt ist die billigste Prüfung: Die Search Console sammelt hreflang-Fehler in einem eigenen Bericht und zeigt die Gegenseitigkeitslücken direkt. Der Bericht hinkt nach, ist aber real — gelesen vom Live-Zustand der Website.
Auf dieser Website ist die Prüfung zusätzlich an den Code gebunden: Die Verknüpfungen werden aus einer einzigen Quelle erzeugt, die Gegenseitigkeit ist also strukturell garantiert, und die Prüfsuite misst die Vollständigkeit des Satzes bei jedem Lauf. Ein von Hand geschriebener Satz bricht bei der ersten Seitenergänzung.
Was es nicht tut
Zu wissen, was hreflang nicht tut, bewahrt davor, das Falsche von ihm zu erwarten. Drei falsche Erwartungen sind verbreitet.
Erstens: Es hebt das Ranking nicht. hreflang ist kein Ranking-, sondern ein Zuordnungssignal. Richtig aufgebaut schickt es die vorhandene Sichtbarkeit zum richtigen Nutzer; neue Sichtbarkeit erzeugt es nicht.
Zweitens: Es löst das Problem doppelter Inhalte nicht. Für zwei ähnliche Seiten in derselben Sprache ist hreflang keine Lösung — das ist die Aufgabe der Canonical-Angabe. hreflang ist für Versionen in verschiedenen SPRACHEN.
Drittens: Es leitet den Nutzer nicht weiter. Es sagt der Suchmaschine, welche Version zu zeigen ist; dem Browser sagt es nichts. Öffnet ein Nutzer eine Adresse direkt, tritt hreflang nicht in Aktion.
Der dritte Punkt trägt eine wichtige Folge: Ein richtig gebauter hreflang-Satz beseitigt den Bedarf an automatischer Weiterleitung. Die Suchmaschine zeigt ohnehin die passende Version, und der direkt kommende Nutzer hat ohnehin die gewünschte Adresse geöffnet.
Ein Rahmen zum Schluss: hreflang ist die technischste, aber mechanischste Schicht einer mehrsprachigen Website. Seine Regeln sind wenige, klar und unstrittig — sei wechselseitig, schließe dich selbst ein, verwende absolute Adressen. Die Schwierigkeit liegt nicht in den Regeln, sondern darin, sie beim Wachsen der Website konsistent zu halten. Deshalb ist es die einzige echte Lösung dieser Schicht, die Verknüpfungen nicht von Hand zu schreiben und sie an einen Test zu binden.
Der Satz muss vollständig sein, oder gar nicht — ein halber Aufbau nützt weniger als keiner.