Übersetzung oder Lokalisierung.
Die Übersetzung überträgt Text von einer Sprache in die andere; die Lokalisierung passt den Inhalt an Kultur, Gewohnheiten und Suchsprache des Zielmarkts an.
Die zwei Begriffe werden oft füreinander verwendet, aber ihr Unterschied ist für Kosten und Ergebnis entscheidend. Eine übersetzte Website wird verstanden; eine lokalisierte Website fühlt sich diesem Markt zugehörig an — und erscheint in seinen Suchergebnissen.
Am klarsten zeigt sich der Unterschied bei den Schlüsselbegriffen. Wird der türkische Name einer Leistung direkt übersetzt, kann ein Begriff entstehen, den im Zielmarkt niemand sucht. Die Übersetzung ist richtig, das Ergebnis unsichtbar.
Was lokalisiert wird
- Suchbegriffe — das in diesem Markt wirklich gesuchte Wort, keine Wort-für-Wort-Übersetzung.
- Die Anredeform — förmlich oder vertraut? Im Deutschen ist das eine Pflicht; ohne die Wahl lässt sich kein Satz bauen.
- Beispiele und Referenzen — Namen und Situationen, die das lokale Publikum kennt.
- Maßeinheiten und Formate — Datum, Uhrzeit, Zahlentrenner, Währung.
- Rechtstexte — jeder Markt hat sein eigenes Recht; Übersetzung genügt nicht.
- Bilder — Bilder mit Text müssen pro Sprache eigens erstellt werden.
- Kontakterwartung — manche Märkte erwarten das Telefon, andere das Formular.
Der zweite Punkt ist für Deutsch besonders kritisch und verlangt eine technische Entscheidung: förmliche Anrede oder vertraute? Die Entscheidung fällt einmal und zieht sich durch den ganzen Text; in der Mitte lassen kann man sie nicht.
Auf dieser Website wurden die deutschen Texte in der förmlichen Anrede geschrieben, und das ist in den Dateien als Notiz festgehalten. Im B2B-Kontext ist das die erwartete Form — und Konsistenz macht mehr Unterschied als einzelne Sätze.
Wo die maschinelle Übersetzung steht
Die maschinelle Übersetzung hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert und ist für manche Inhaltstypen inzwischen ein vernünftiger Ausgangspunkt. Sie ungeprüft zu veröffentlichen trägt aber zwei Risiken.
Das erste ist ein Qualitätsrisiko: Die Maschine kennt die Fachterminologie und die Markensprache nicht. In einem technischen Text kann sie einen Begriff erzeugen, der richtig aussieht, aber in der Branche ungebräuchlich ist — und dieser Begriff sendet Leser wie Suchmaschine das falsche Signal.
Das zweite ist ein Vertrauensrisiko, und es wiegt schwerer: Eine fehlerhafte deutsche Seite erzählt einem Kunden dieses Marktes von Nachlässigkeit. Bevor sie ein technisches SEO-Problem ist, ist sie ein Reputationsproblem.
Der vernünftige Ansatz ist hybrid: Die Maschine erzeugt die Übersetzung als Entwurf, ein Mensch prüft und korrigiert die Terminologie. Die Kosten liegen unter der Übersetzung von null, die Qualität über der ungeprüften Maschine.
Auf dieser Website wird dasselbe Prinzip angewandt und festgehalten: Die übersetzten Zeichenketten sind in der Datei mit einer Übersetzungsnotiz markiert und warten auf die Freigabe des Auftraggebers. Welcher Text von einem Menschen verifiziert wurde, ist jederzeit zu wissen.
Eine fehlerhafte deutsche Seite ist ein Reputationsproblem, bevor sie ein SEO-Problem ist.
Kosten und Priorität
Lokalisierung ist teurer als Übersetzung und nicht für jede Seite nötig. Der praktische Ansatz ist, die Seiten nach ihrer Wirkung zu trennen und die Investition dort zu bündeln.
- Konversionsseiten — Leistung, Kontakt, Angebot. VOLLE Lokalisierung, Suchbegriffe eingeschlossen.
- Die Startseite — volle Lokalisierung; der erste Eindruck entsteht hier.
- Wissensinhalte — sorgfältige Übersetzung kann genügen; die Terminologie muss verifiziert werden.
- Rechtstexte — Übersetzung GENÜGT NICHT; jeder Markt hat sein eigenes Recht.
- Archivinhalte — können unübersetzt bleiben; der Satz gibt fehlende Sprachen gar nicht erst an.
- Automatisch erzeugte Texte — einmal lokalisiert, überall verwendet.
Der vierte Punkt trägt eine Warnung: Datenschutztext und Nutzungsbedingungen sind Rechtsarbeit, keine Übersetzungsarbeit. Den Rechtstext eines Marktes aus dem eines anderen zu übersetzen erfüllt womöglich nicht die Anforderungen dieses Marktes.
Auf dieser Website existieren die Rechtstexte in drei Sprachen, tragen in der Datei aber eine offene Warnung: Die Texte wurden nicht von einem Juristen geschrieben und warten auf die Freigabe des Auftraggebers. Jede enthaltene technische Tatsache ist gemessen — keine Cookies, lokaler Speicher leer —, aber die juristische Hinlänglichkeit ist eine eigene Frage und festgehalten.
Der Rechtstext ist Rechtsarbeit, keine Übersetzungsarbeit; den eines Marktes in den anderen zu übersetzen stellt keine Konformität her.
Was mit der Markensprache in der Übersetzung geschieht
Der Ton einer Marke — förmlich oder vertraut, technisch oder erzählend — ist das in der Übersetzung am leichtesten Verlorene. Der Übersetzer überträgt die Sätze richtig, aber nicht den Ton, und der Text in der Zielsprache liest sich wie der Text einer anderen Marke.
Das verhindert man, indem man dem Übersetzer einen Tonleitfaden gibt: welche Anredeform, welche Satzlänge, welche Begriffe verwendet werden und welche nicht. Der Leitfaden wird einmal geschrieben und in jeder Übersetzung verwendet.
Das Begriffsglossar leistet dieselbe Funktion: Die zielsprachlichen Entsprechungen der technischen Begriffe der Marke werden einmal entschieden und gelistet. Andernfalls wird dasselbe Konzept auf drei Seiten mit drei verschiedenen Wörtern erzählt.
- Die Anredeform — förmlich oder vertraut? Im Deutschen ist das eine Pflicht.
- Die Satzlänge — der Rhythmus der Marke soll erhalten bleiben.
- Das Begriffsglossar — die Entsprechungen technischer Konzepte werden einmal entschieden.
- Die Verbotsliste — welche Klischees und welche Marketingsprache sind tabu?
- Beispieltexte — einige Seiten, die zeigen, wie eine gute Übersetzung aussieht.
Auf dieser Website wurden die deutschen Texte in der förmlichen Anrede geschrieben, und die Entscheidung ist in den Dateien als Notiz festgehalten. Konsistenz macht mehr Unterschied als die Qualität einzelner Sätze — denn eine Tonverschiebung ist das Erste, was ein Leser bemerkt.
Ein Maß zum Schluss: Lokalisierung ist eine endlos vertiefbare Arbeit, und irgendwann muss man anhalten. Der Haltepunkt findet sich mit dieser Frage — ändert diese Differenzierung die Entscheidung eines Kunden in diesem Markt? Wenn nicht, sollte die Investition nicht dorthin gehen. Das Währungsformat ändert die Entscheidung; der Farbton eines Bildes meist nicht.
Und die Gegenrichtung: Es gibt auch Fälle von zu viel Lokalisierung. Für jeden Markt eine eigene Markenerzählung, eigene Bildsprache und einen eigenen Ton zu bauen zerstreut die Wiedererkennbarkeit der Marke — der Nutzer sieht in zwei Märkten zwei verschiedene Unternehmen.
Die richtige Balance: den Kern fest halten und die Schale anpassen — Markenidentität, Ton und Bildsprache gemeinsam; Begriffe, Beispiele und Formate lokal. Wird diese Trennung klar gehalten, bleiben Wiedererkennbarkeit und Lokalität beide erhalten.
Eine letzte Kostennotiz: Lokalisierung ist keine einmalige Investition, sondern eine dauernde Last. Wird der Quellinhalt aktualisiert, müssen auch die lokalisierten Versionen aktualisiert werden — und diese Last übersteigt die Kosten der ersten Übersetzung in wenigen Jahren. Das ist die eigentliche Zahl, die beim Entscheiden einzurechnen ist.