murattunalı.

Screenreader.

Ein Screenreader ist Hilfstechnik, die Bildschirminhalte in Sprache oder Braille-Ausgabe übersetzt und die Navigation per Tastatur ermöglicht.

Ein Screenreader liest die Seite nicht so, wie sie aussieht; er liest den Barrierefreiheitsbaum, den der Browser erzeugt. Diese Unterscheidung ist das Fundament der gesamten Barrierefreiheitsarbeit — maßgeblich ist die aus dem Markup abgeleitete Bedeutung, nicht die visuelle Darstellung.

Das Vorlesen verläuft linear, die Navigation nicht. Eine Nutzerin kann die Seite von vorn bis hinten hören oder von Überschrift zu Überschrift, von Link zu Link, von Bereich zu Bereich oder von Formularfeld zu Formularfeld springen. Diese Kurzwege entsprechen dem Überfliegen mit einem Blick — und sie funktionieren nur, wenn die Struktur richtig ausgezeichnet ist.

Ein verbreiteter Irrtum ist, alle Screenreader-Nutzenden seien blind. Der Kreis ist größer: Menschen mit Sehbehinderung nutzen ihn zusammen mit Vergrößerung, Menschen mit Legasthenie folgen dem Text hörend, und wer kognitiv erschöpft ist, hört lange Texte womöglich lieber.

  1. NVDA — Windows, kostenlos und quelloffen; der einfachste Einstieg zum Testen.
  2. JAWS — Windows, kommerziell; in Unternehmen verbreitet.
  3. VoiceOver — in macOS und iOS eingebaut; keine zusätzliche Installation nötig.
  4. TalkBack — in Android eingebaut; das Gegenstück für mobile Webtests.
  5. Narrator — in Windows eingebaut.

Screenreader verhalten sich unterschiedlich, und dieselbe Seite kann in verschiedenen anders klingen. Dass etwas in einem Reader funktioniert, heißt daher nicht, dass es überall funktioniert — dass es in einem bricht, ist jedoch fast immer ein echter Mangel.

Beim Testen hilft eine Gewohnheit am meisten: den Bildschirm ausschalten oder die Augen schließen. Hörend auf den Bildschirm zu schauen führt dazu, dass man das Gehörte mit dem Gesehenen ergänzt und die fehlende Information nicht bemerkt. Fällt das Bild weg, zeigt sich, was die Seite wirklich sagt.

Ein weiterer praktischer Punkt ist die Sprechgeschwindigkeit: Die Voreinstellung ist für erfahrene Nutzende gemacht und für Anfängerinnen unverständlich schnell. Sie zu senken verringert die Wahrscheinlichkeit deutlich, beim ersten Versuch aufzugeben.

Und ein Bezugspunkt ist wichtig: Hören Sie eine gut gebaute Website, bevor Sie Ihre eigene hören. Sonst lässt sich nicht unterscheiden, ob das Durcheinander ein Mangel Ihrer Website oder das normale Verhalten der Technik ist.

Die praktische Antwort auf die Frage, wie oft mit dem Screenreader getestet werden soll, kommt mit dem Umfang: Konversionswege — Formular, Suche, Anmeldung, Bezahlung — sollten bei jeder Änderung angehört werden. Eine mangelhafte Informationsseite ärgert; ein mangelhaftes Formular beendet das Geschäft.

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