murattunalı.

Fokusfalle.

Eine Fokusfalle liegt vor, wenn der Tastaturfokus einen Bereich betritt und ihn nicht mehr verlassen kann; WCAG verbietet das ausdrücklich auf Stufe A.

Die Falle ist der härteste Mangel für Tastaturnutzende: Sie macht die Seite unbrauchbar. Die Nutzerin tabt vorwärts, betritt eine Ebene oder eine eingebettete Komponente und kommt nicht heraus; sie drückt weiter Tab, doch der Fokus kreist zwischen denselben wenigen Elementen. Es bleibt nur, die Seite neu zu laden — und damit alles bis dahin Getane zu verlieren.

Das WCAG-Kriterium 2.1.2 „Keine Tastaturfalle“ verbietet dies unmittelbar und steht auf Stufe A. Eine Falle ist damit ein Verstoß auf der Grundstufe — selbst eine bewusst eng gefasste Konformitätserklärung kann sie nicht dulden.

Die häufigste Quelle sind Umsetzungen von Ebenen und Dialogen. Ein gutes Modal WILL den Fokus im Inneren halten — dass Tab nicht zum dahinterliegenden Inhalt gelangt, ist richtiges Verhalten. Wird dieses Halten jedoch ohne Ausweg gebaut, wird daraus eine Falle.

  1. Richtig: Der Fokus kreist in der Ebene, Escape schließt sie, und beim Schließen kehrt er zum öffnenden Element zurück.
  2. Falsch: Der Fokus kreist in der Ebene, und Escape bewirkt nichts.
  3. Falsch: Es gibt eine Schließen-Schaltfläche, aber die Tab-Reihenfolge erreicht sie nie.
  4. Falsch: Eingebetteter Fremdinhalt verschluckt den Fokus und gibt ihn nicht zurück.

Der letzte Punkt ist der schwierigste, denn die Kontrolle liegt nicht bei Ihnen. Ein eingebetteter Videoplayer, eine Karte oder ein Bezahlrahmen kann den Fokus aufnehmen und nicht freigeben. Die Lösung besteht dann darin, vor und nach dem eingebetteten Inhalt Sprunglinks zu setzen oder den Inhalt nur auf Wunsch der Nutzerin zu laden.

Es gibt eine Testmethode, und sie dauert zehn Sekunden: Öffnen Sie jede Ebene, drücken Sie mehrfach Tab und vergewissern Sie sich, dass Sie herauskommen. Probieren Sie auch Escape. Kommen Sie nicht heraus, ist der Mangel gefunden.

Die Falle hat auch eine sanfte Form, und sie ist häufiger: Der Fokus kann technisch hinaus, doch der Weg ist so lang, dass er praktisch unbrauchbar bleibt. Braucht es fünfzig Tab-Anschläge, um aus einer Ebene mit fünfzig Elementen zu kommen, kann die Nutzerin hinaus — sie tut es aber nicht.

Deshalb lässt eine gute Ebene nicht nur einen Ausweg, sondern hält ihn KURZ: Escape funktioniert immer, und die Schließen-Schaltfläche liegt am Anfang oder Ende der Fokusreihenfolge an erreichbarer Stelle.

Eine letzte Unterscheidung: Den Fokus in einem Bereich zu HALTEN und ihn zu FANGEN ist nicht dasselbe. In einem modalen Dialog ist das Kreisen des Fokus richtiges Verhalten und aus Sicht der Barrierefreiheit gewünscht. Die Falle besteht darin, dass die Nutzerin nicht aus eigenem Willen hinauskommt — Eingrenzung und Ausweg sind zwei verschiedene Dinge.

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