murattunalı.

Farbenblindheit.

Farbenblindheit ist die Unfähigkeit, bestimmte Farben voneinander zu unterscheiden; sie betrifft einen erheblichen Teil der Weltbevölkerung, insbesondere Männer.

Für das Webdesign lässt sich die praktische Folge in einer Regel bündeln: Farbe darf niemals allein Information tragen. Das WCAG-Kriterium 1.4.1 „Verwendung von Farbe“ verlangt das auf Stufe A — eine Grundanforderung.

Die Stellen, an denen die Regel bricht, sind bekannt. Ein fehlerhaftes Formularfeld allein mit rotem Rahmen zu melden, Pflichtfelder allein mit Farbe zu markieren, Reihen in einem Diagramm allein farblich zu trennen und einen Zustand allein über das Paar Grün-Rot zu zeigen.

Die Lösung besteht nicht darin, die Farbe zu entfernen, sondern ihr ein zweites Zeichen zur Seite zu stellen. Text beim Fehlerzustand, ein Sternchen oder eine deutliche Beschriftung beim Pflichtfeld, unterschiedliche Linienarten oder direkte Beschriftung im Diagramm, ein Symbol in der Statusanzeige. Die Farbe bleibt als betonende Ebene darüber und trägt für sich genommen keine Information.

  1. Die Rot-Grün-Unterscheidung ist das am häufigsten betroffene Paar; bei Erfolgs- und Fehleranzeigen ist es die riskanteste Kombination.
  2. Die Blau-Gelb-Unterscheidung ist seltener betroffen, aber nicht nie.
  3. Vollständige Farbenblindheit ist sehr selten; meist werden Farben gesehen, bestimmte Paare aber nicht unterschieden.
  4. Das Kontrastverhältnis löst Farbenblindheit nicht — zwei Farben können dieselbe Leuchtdichte und verschiedene Farbtöne haben; der Kontrast ist gering, die Unterscheidung unmöglich.

Der letzte Punkt ist wichtig, weil Kontrast und Farbunterscheidung häufig verwechselt werden. Ausreichender Kontrast macht Text lesbar; die Farbenblindheitsregel verlangt, dass die Information AUSSERHALB der Farbe ebenfalls getragen wird. Es sind getrennte Kriterien, und keines ersetzt das andere.

Am einfachsten testet man, indem man die Seite in Graustufen umschaltet. Die Entwicklerwerkzeuge der Browser können das mit einem Klick. Eine Oberfläche, die in Graustufen noch verständlich ist, ist hinsichtlich Farbenblindheit sicher.

Eine weitere oft brechende Stelle ist, Verweise allein mit Farbe zu kennzeichnen. Ein Verweis im Fließtext, der sich nur durch seine Farbe abhebt, wird für eine farbenblinde Person unsichtbar. WCAG kennt dafür eine eigene Regel: Hebt sich ein Verweis im Text allein durch Farbe ab, muss er gegenüber dem umgebenden Text mindestens 3:1 Kontrast tragen und bei Fokus oder Mauszeiger ein zusätzliches Zeichen zeigen.

In der Praxis ist die Unterstreichung die sicherste Lösung. Verweise im Fließtext zu unterstreichen beseitigt das Problem vollständig, erfordert keine weitere Messung — und ist das vertrauteste Zeichen, an dem Lesende einen Verweis erkennen.

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