Wie die Website eines Exportunternehmens aussehen sollte — aus Sicht des Einkäufers.
Die Website eines Exportunternehmens ist das erste Dokument, das ein ausländischer Einkäufer liest, bevor er mit dem Lieferanten spricht; sie sollte das Produkt, den Nachweis der Fertigung und den Weg zum Angebot in der Sprache des Einkäufers zeigen, unter einer eigenen Adresse für jede Sprache und auf schnell ladenden Seiten. Wie die Website aussieht, baut auf diesem Gerüst auf und ersetzt es nicht.
Bei der Bewertung einer Export-Website lautet die Frage nicht „Wie sieht unsere Website aus?“, sondern „Welche Entscheidung kann ein Einkäufer in Deutschland ohne Türkischkenntnisse anhand dieser Website treffen?“. Der Einkäufer kommt über eine Suche, eine Visitenkarte von der Messe oder ein Marktplatzprofil auf die Website und hat eine kurze Checkliste im Kopf: Was stellt dieses Unternehmen her, kann es nach meiner Spezifikation fertigen, hat es Zertifikate, und an wen schreibe ich?
Websites zu bauen, die diese Frage beantworten, ist die Arbeit dieses Studios; die Methode ist auf der Seite B2B-Website beschrieben. Die folgenden Abschnitte sind dagegen methodenunabhängig: eine Lesereihenfolge, die jedes Exportunternehmen schon heute auf die eigene Website anwenden kann.
Worauf achtet ein ausländischer Einkäufer, wenn er die Website öffnet?
Unsere Beobachtung: Ein B2B-Einkäufer stöbert nicht wie ein Verbraucher, er scannt. Zuerst sucht er, was das Unternehmen herstellt und in welchem Umfang, dann das Produkt, das zu seinem Bedarf passt, dann die technischen Werte und Zertifikate dieses Produkts und zuletzt den Kontaktweg. Gerät diese Reihenfolge durcheinander — Produktinformationen auf Seite drei eines PDFs, das Zertifikat in einer Bildergalerie, als Kontakt nur eine Telefonnummer —, enthält die Website zwar Informationen, führt aber zu keiner Entscheidung. Den ersten Sekunden des Einkäufers haben wir einen eigenen Beitrag gewidmet: Wie B2B-Einkäufer Lieferanten suchen.
- Wer — was das Unternehmen herstellt, wo und seit wann; in einem Satz.
- Was — Produktfamilien und das Einsatzgebiet jeder Familie.
- Wie — technische Werte mit ihren Einheiten in einer lesbaren Tabelle.
- Nachweis — Zertifikate, Prüfberichte, Herstellererklärungen; zusammen mit der Angabe, wer sie geprüft hat.
- Wohin — in welche Märkte und zu welchen Lieferbedingungen geliefert wird.
- An wen — wohin und mit welchen Angaben eine Angebotsanfrage gesendet wird.
In welchen Sprachen sollte die Website erscheinen?
Die Zahl der Sprachen ist kein Prestigemerkmal, sondern eine Marktentscheidung. Jede neue Sprache bedeutet, dass in diesem Markt tatsächlich verkauft und der Text in dieser Sprache dauerhaft gepflegt wird; eine ungepflegte Übersetzung hinterlässt einen schlechteren Eindruck, als die Sprache gar nicht anzubieten. Wo maschinelle Übersetzung ausreicht und wo nicht, haben wir gesondert beschrieben: Fremdsprachige Website mit Google Translate.
Die Websites der beiden Textilexporteure, die wir betreuen, sind jeweils in sieben Sprachen online, und die Sprachauswahl zeigt ihre Märkte. Fersan Tekstil erscheint auf Türkisch, Englisch, Italienisch, Russisch, Deutsch, Französisch und Spanisch, Karcem auf Türkisch, Englisch, Deutsch, Niederländisch, Russisch, Italienisch und Arabisch. Auf beiden Websites gilt dieselbe Regel: Eine Seite meldet alle Sprachen, in denen sie existiert, und keine Übersetzung, die es nicht gibt. Als wir am 23. September 2026 die Stoffseite beider Websites öffneten, meldeten beide sieben Sprachen und eine Standardversion.
Sollte jede Sprache eine eigene Adresse haben?
Ja. Google empfiehlt, jeder Sprachversion eine eigene Adresse zu geben, statt die Sprache der Seite anhand von Browsereinstellungen oder Cookies umzuschalten, und erkennt die Sprache einer Seite am sichtbaren Text, nicht an einem Tag im Code. Die praktische Folge: Eine deutsche Seite muss von oben bis unten deutsch sein, einschließlich des Menüs. Ein deutsches Menü über einer türkischen Produktseite ergibt keine deutsche Seite; in der Suche erscheint sie auch nicht als deutsches Ergebnis.
Gehören Produktinformationen in einen PDF-Katalog oder auf die Seite?
Der eigentliche Ort für Produktinformationen ist die Seite. Der PDF-Katalog ist eine Gewohnheit aus der Druckwelt und auf Messen weiterhin nützlich, aber als einzige Informationsquelle auf der Website kostet er dreierlei: Auf dem Smartphone ist er schwer zu lesen, die Suchmaschine kann ein einzelnes Produkt darin nicht als eigenes Ergebnis zeigen, und wenn der Katalog aktualisiert wird, kursiert die alte Datei weiter in E-Mails. Die beiden Wege haben wir Kriterium für Kriterium verglichen: Produktkatalog: PDF oder Webseite.
Die Unterscheidung in den Fallbeispielen ist aufschlussreich. Als wir am 23. September 2026 nachsahen, zeigten die Stoffseiten beider Websites ihre Produkte in einer echten HTML-Tabelle — bei Fersan mit Spalten für Flächengewicht, Elastizität und Einsatzbereich, bei Karcem für Zusammensetzung, Flächengewicht und typische Verwendung —, und auf keiner der beiden Stoffseiten gab es einen einzigen PDF-Link. Die PDFs lagen auf den Zertifikatsseiten: Dort steht das Dokument in seiner Originalform, wie die ausstellende Stelle es ausgestellt hat. Das Produkt wird zur Seite, das Dokument bleibt Dokument.
Wie sollten Zertifikate und Qualitätserklärungen gezeigt werden?
Auf einer Export-Website ist die Zeile, die das meiste Vertrauen trägt, oft die am wenigsten gepflegte: das Zertifikat. Eine Reihe nebeneinandergesetzter Logos sagt dem Einkäufer nicht, welches Dokument welches Produkt, welchen Standort und bis zu welchem Datum abdeckt. Stehen Name, Geltungsbereich, ausstellende Stelle und das Dokument selbst an einem Ort, kann der Einkäufer seine eigene Prüfung vornehmen.
Karcem baut diese Ebene mit einer messbaren Aussage auf: Die Startseite der Website nennt als Farbtoleranz ΔE*ab ≤ 1 und erklärt, dass jede Partie in einem akkreditierten Labor verifiziert wird. Eine zahlenmäßige, überprüfbare Erklärung leistet mehr als das Adjektiv „hochwertig“, denn der Einkäufer kann sie in seinem eigenen Labor prüfen.
Wie sollten Angebotsanfragen entgegengenommen werden?
Im B2B beginnt ein Verkauf nicht mit einem Warenkorb, sondern mit einer Angebotsanfrage. Das Formular sollte kurz sein: Produkt, ungefähre Menge, Zielmarkt und Kontaktdaten genügen für den ersten Kontakt; die Details werden in der ersten Antwort besprochen. Je mehr Pflichtfelder es gibt, desto mehr wird das Formular zum Vorauswahlinstrument, und ein Einkäufer in Eile — oft der wertvollste — bricht es womöglich mittendrin ab. Fehlermeldungen gehören neben das Feld und in die Sprache des Einkäufers.
Merkt der Einkäufer, wenn die Website langsam ist?
Ja, denn ein B2B-Einkäufer öffnet die Website oft im Gang einer Messehalle, über eine Hotelverbindung oder auf dem Smartphone. Geschwindigkeit ist kein Schmuck, sondern eine Frage des Zugangs. In der eigenen Messung dieser Website liegt die schlechteste Anzeigezeit des Hauptinhalts (LCP), die echte Nutzer erlebt haben, bei 420 Millisekunden, die Layoutverschiebung in der Labormessung bei null (23. September 2026). Die Messungen auf den Fallstudienseiten werden mit derselben Offenheit veröffentlicht, mit Datum und Methode; das Ziel ist, dass die Seite geladen ist, bevor der Einkäufer sich überhaupt fragt, was sie ist.
Was passiert mit den alten Sprachseiten?
Was beim Relaunch einer Website am häufigsten verloren geht, sind die alten Adressen. Auf dieser Domain war zuvor eine andere Website online, und im September 2026 standen in der Search-Console-Liste der nicht indexierten Seiten 70 Adressen mit „nicht gefunden“; die live geprüften Beispiele waren von der alten Website übrig gebliebene Sprachordner wie /ru/, /fr/ und /en/writing/. Für ein Exportunternehmen, das seine Website erneuert, wird dasselbe teurer, denn die alten Adressen stehen in den Lesezeichen ausländischer Einkäufer und in Links auf anderen Websites. Jede alte Sprachseite sollte dauerhaft auf ihr neues Gegenstück weitergeleitet werden; gibt es keines, sollte sie bewusst geschlossen werden.
Übernimmt eine staatliche Förderung die Kosten der Website?
Teilweise und nur für bestimmte Status. Bei den E-Export-Förderungen des türkischen Handelsministeriums gibt es einen Posten „Einrichtung einer Website“, doch laut der Obergrenzentabelle 2026 können die Werbeförderung, zu der dieser Posten gehört, nicht Hersteller mit Unternehmensstatus nutzen, sondern Konsortien, Einzelhandels-E-Commerce-Websites, B2B-Plattformen und Marktplätze. Eine Lektüre der amtlichen Texte: E-Export-Förderungen 2026. In den Programmen von KOSGEB (der türkischen KMU-Förderbehörde) ist dagegen kein eigener Posten namens Website zu finden: KOSGEB-Förderung für Websites. Förderbedingungen können sich ändern; prüfen Sie vor der Antragstellung den aktuellen Text bei der zuständigen Stelle.
Kurze Checkliste
- Was das Unternehmen herstellt — steht es auf dem ersten Bildschirm, in einem Satz und in jeder Sprache?
- Hat jede Sprache ihre eigene Adresse, und ist die ganze Seite in dieser Sprache?
- Stehen die Produktinformationen auf der Seite, in einer Tabelle mit Einheiten?
- Stehen Zertifikate zusammen mit Geltungsbereich, ausstellender Stelle und Dokument?
- Lässt sich das Angebotsformular mit vier oder fünf Feldern absenden?
- Lädt die Website auch auf dem Smartphone und bei langsamer Verbindung schnell — wurde das gemessen?
- Wurden die Sprachseiten der alten Website auf ihre neuen Gegenstücke weitergeleitet?
Kein Punkt der Liste schreibt einen Designstil vor; jeder fragt, ob eine Information, die der Einkäufer für seine Entscheidung braucht, an ihrem Platz ist. Wird die visuelle Sprache der Website auf diesem Gerüst aufgebaut, sagt sie dem Einkäufer und der Suchmaschine dasselbe.
Für eine Website, die Ihre Produkte ausländischen Käufern in ihrer eigenen Sprache vorstellt: Die B2B-Website baut den Weg zu Produkt, Zertifikat und Angebot in der Sprache des Zielmarkts auf und misst ihn.