Produktkatalog: PDF oder Webseite.
Wird ein Produktkatalog als Webseiten aufgebaut, ist jedes Produkt unter einer eigenen Adresse auffindbar, auf dem Smartphone gut lesbar und an einer Stelle aktualisierbar; ein PDF-Katalog ist stark im gedruckten Vertrieb, auf Messen und überall dort, wo ein unveränderliches Dokument gebraucht wird. Beide sind keine Konkurrenten, sondern teilen sich die Arbeit: Die Produktinformation lebt auf der Seite, das PDF wird ihr Vertriebsformat.
Die Frage liegt bei den meisten Exporteuren in derselben Form auf dem Tisch: Es gibt eine Katalogdatei, die seit Jahren aktualisiert wird, und beim Relaunch der Website wird sie entweder unverändert als Download-Link eingebunden oder gar nicht. Beide Extreme haben ihre Kosten. Dieser Vergleich beantwortet anhand von Kriterien die Frage, wo die Produktinformation beim Aufbau einer B2B-Website leben sollte.
Wie wurden Produkt und Dokument in zwei Fällen getrennt?
Die Websites zweier Textilexporteure, die wir betreuen, teilen dieselbe Arbeitsteilung. Als wir die Seiten am 23. September 2026 öffneten, führte die Stoffseite von Fersan Tekstil die Produkte in einer HTML-Tabelle mit Flächengewicht, Dehnbarkeit und Einsatzbereich auf, und auf der Seite gab es keinen einzigen PDF-Link; die PDFs lagen auf der Zertifikatsseite, wo die Dokumente in der von der ausstellenden Stelle erstellten Form heruntergeladen werden konnten. Auch bei Karcem steht die Tabelle auf der Stoffseite — mit Spalten für Zusammensetzung, Flächengewicht und typische Verwendung —, und die PDFs liegen nur auf der Zertifikatsseite.
Die Stoffseiten beider Websites geben außerdem sieben Sprachen und eine Standardfassung an. Wäre derselbe Katalog sieben einzelne PDFs, müsste man für eine Sprachverknüpfung zwischen den sieben Dateien, der eine Suchmaschine folgen kann, bis auf die Serverheader hinunter; auf der Seite steht diese Verknüpfung am Anfang jeder Sprachfassung. Das Produkt wird zur Seite, das Dokument bleibt Dokument.
Wann ist ein PDF-Katalog die richtige Wahl?
Wenn ein Vertriebsformat gebraucht wird: Für einen Katalog, der auf der Messe überreicht, per E-Mail verschickt, einer Einkaufsakte beigelegt oder ausgedruckt und mit Notizen versehen wird, ist PDF nach wie vor das praktischste Format. Ebenso, wenn Unveränderlichkeit gefragt ist: Dokumente wie Zertifikate, Prüfberichte und Konformitätserklärungen sollten in ihrer Originalform bleiben.
Wann ist eine Webseite die richtige Wahl?
Wenn es darum geht, gefunden zu werden. Sucht ein Käufer ein Produkt, sollte dieses Produkt eine eigene Adresse, einen eigenen Titel und eine eigene Beschreibung haben; auch Antwortmaschinen können ein Produkt nur aus einer Seite zitieren, die sich für sich allein lesen lässt. Werden Bilder mit vorab reservierten Abmessungen geladen, verschiebt sich die Seite beim Öffnen nicht (Reservierung der Bildgröße); die Produktinformation lässt sich zudem mit strukturierten Daten für Maschinen öffnen (JSON-LD-Grundlagen).
Wie verwaltet man beides zusammen?
Die robusteste Ordnung ist eine einzige Quelle: Die Produktinformation wird an einer Stelle gepflegt, Webseiten und PDF werden aus derselben Quelle erzeugt. So tragen der für die Messe gedruckte Katalog und die Tabelle auf der Website dieselben Werte, und es wird nicht das eine aktualisiert und das andere vergessen. Ist das nicht möglich, sollte zumindest die Richtung klar sein: Die Seite ist das Original, das PDF die Ableitung. Den allgemeinen Rahmen aus Sicht eines ausländischen Käufers beschreibt der Leitfaden wie die Website eines Exportunternehmens aussehen sollte.
Für eine Website, die Ihre Produkte ausländischen Käufern in ihrer eigenen Sprache vorstellt: Die B2B-Website baut den Weg zu Produkt, Zertifikat und Angebot in der Sprache des Zielmarkts auf und misst ihn.
Kriterium
PDF-Katalog
Sichtbarkeit in Suchmaschinen Die Datei kann indexiert werden, aber als ein einziges Ergebnis; die enthaltenen Produkte werden keine eigenen Ergebnisse
Strukturierte Daten Text wird gelesen; Produkt-Schema lässt sich nicht hinzufügen
Lesen auf dem Smartphone Festes Seitenlayout; Zoomen und horizontales Scrollen nötig
Laden Eine einzige Datei; ihre Größe wächst mit den Bildern
Aktualisierung Neue Version heißt neue Datei; die alte Version kursiert weiter in E-Mails und Downloads
Webseite (HTML-Katalog)
Sichtbarkeit in Suchmaschinen Jedes Produkt kann mit eigener Adresse ein eigenes Ergebnis sein
Strukturierte Daten Produkt-, Organisations- und FAQ-Schema lassen sich in die Seite einbauen
Lesen auf dem Smartphone Passt sich der Bildschirmbreite an
Laden Lädt Seite für Seite; Bilder lassen sich mit reservierten Abmessungen und in modernen Formaten laden
Aktualisierung Wird unter einer Adresse aktualisiert; alle sehen dieselbe Version
PDF-Katalog
Mehrsprachige Struktur Jede Sprache eine eigene Datei; Verknüpfungen zwischen den Sprachen nur über den HTTP-Header des Servers möglich
Druck und Offline-Nutzung Stark: wird heruntergeladen, gedruckt, auf Messen verteilt
Dokumentintegrität Fest und signierbar; geeignet für Originaldokumente wie Zertifikate
Zugang für Screenreader Das PDF muss gesondert getaggt werden
Messung Man sieht, dass die Datei gesucht und geöffnet wird; welches Produkt darin gelesen wurde, sieht man nicht
Webseite (HTML-Katalog)
Mehrsprachige Struktur Jede Sprache unter eigener Adresse; hreflang steht in der Seite selbst
Druck und Offline-Nutzung Lässt sich mit einem Druck-Stylesheet drucken, ist aber kein Vertriebsformat
Dokumentintegrität Veränderlich; trägt Information, keine Dokumente
Zugang für Screenreader Überschriften, Tabellen und Alternativtext stecken im HTML selbst
Messung Man sieht einzeln, welche Produktseite gesucht und geöffnet wurde
HÄUFIGE FRAGEN
Erscheint ein PDF-Katalog bei Google?
Das kann er: PDF gehört zu den Dateitypen, die Google indexieren kann. Die Datei erscheint aber als ein einziges Ergebnis; die fünfzig Produkte darin werden nicht zu fünfzig eigenen Suchergebnissen. Wer pro Produkt gefunden werden will, braucht für jedes Produkt eine eigene Seite.
Sollte man auf den PDF-Katalog ganz verzichten?
Nein. Auf Messen, per E-Mail und im gedruckten Vertrieb ist PDF nach wie vor das praktischste Format. Die solide Arbeitsteilung lautet: Die Produktinformation lebt auf der Seite, das PDF wird zu einer Ausgabe, die aus derselben Quelle gespeist wird wie diese Seiten.
Sollten Zertifikate als PDF veröffentlicht werden?
Für das Dokument selbst ja; ein Zertifikat sollte in der Form bleiben, in der die ausstellende Stelle es erstellt hat. Name, Geltungsbereich und ausstellende Stelle des Dokuments sollten aber zusätzlich als Text auf der Seite stehen, denn Käufer wie Suchmaschine lesen zuerst dort.